Unser Grundwasser

„Spucke nicht in den Brunnen – Du wirst selbst aus ihm trinken müssen!“

Mehr als 70 Prozent des deutschen Trinkwassers werden aus Grundwasser gewonnen. Allzu selbst verständlich nehmen wir im Alltag die Versorgung mit diesem lebensnotwendigen Gut wahr – Wasser in Lebensmittelqualität kommt in Deutschland aus dem Wasserhahn. Lediglich wenn uns die Rechnun gen für den Verbrauch ins Haus flattern, prüfen wir kritisch die Ursachen für die geforderten Preise. Und bis zum Grundwasser – dem unsichtbaren Schatz – dringen unsere Überlegungen dabei nur selten vor. Außerdem ist das Grundwasser Lebensraum für eine bislang kaum erforschte Vielfalt an Organismen, Existenz grundlage für Feuchtgebiete und wichtiger Bestandteil des Wasserkreislaufes.


Folgen der Grundwasserabsenkung

Besonders durch großräumige und lang anhaltende Grundwasserabsenkungen kann es zu gravierenden Schäden im Absenkungstrichter kommen. In nahe liegenden Ortschaften können Schäden an Gebäuden auftreten.

Setzungen

Wenn das Grundwasser abgesenkt wird, fallen Bodenschichten trocken, verlieren dadurch den Auftrieb durch das Wasser und der Boden wird stärker zusammengepresst. Technisch gesprochen vergrößert die Grundwasserspiegelabsenkung den auftriebsfreien Bereich des Bodens und erhöht die setzungsverursachenden effektiven Spannungen {\displaystyle \sigma _{z}}\sigma_z im Korngerüst unterhalb des ursprünglichen Grundwasserspiegels. Bei einer Grundwasserabsenkung kann es auch zur Ausspülung von feinen Bodenteilchen aus dem Korngerüst des Bodens kommen, der Suffosion. Die gröberen Körner sacken dadurch zusammen. In beiden Fällen stellt sich je nach Bodenbeschaffenheit eine Setzung ein, deren Ausprägung auch kleinräumig unterschiedlich sein kann. Hierdurch können Brüche im Boden auftreten, die teils bis an die Erdoberfläche reichen. Bei Gebäuden können ungleichmäßige Setzungsbeträge zu Setzungsschäden führen, die sich meistens als Risse im Mauerwerk zeigen.

Pflanzen

Die Grundwasserabsenkung kann weitreichende Folgen für die Vegetation haben. Der für die Pflanzen wichtige Kapillarsaum verlagert sich in größere Tiefen. Bäume und Feldfrüchte verlieren den natürlichen Grundwasseranschluss, Waldsterben und großflächige Dürreschäden können auftreten. Bei der meliorativen Anwendung der Grundwasserabsenkung kommt es zur Sukzession.

Wetter

Wasser besitzt auf Grund seiner großen Wärmekapazität eine stark moderierende Wirkung auf das lokale Klima. An der Küste und Gewässern ist dies besonders gut zu beobachten. So sorgt das Meer im Sommer an der Küste für kühlere Temperaturen als im Landesinneren und im Winter umgekehrt.

So verändert auch der Grundwasserspiegel die Wärmekapazität der Böden im Landesinneren. Laut Dr. Stefan J. Kollet[4] können selbst in sieben Meter Tiefe kleine Schwankungen des Grundwasserspiegels große Auswirkungen auf die Energieflüsse an der Landoberfläche haben. Welche extremen Folgen dies haben kann zeigt der Vergleich mit Wüstenlandschaften. Erst ohne Wolken und Bodenfeuchte sind Temperaturschwankungen von mehr als 30° zwischen Tag und Nacht möglich.

Von Grundwasserabsenkungen können insbesondere folgende Gefahren ausgehen:

  • Gefährdung der Standsicherheit benachbarter Bauwerke durch Setzungserscheinungen aufgrund der Entwässerung des Untergrundes (besonders empfindlich reagierende Schichten sind Torfe und Mudden) oder durch Trockenlegung von Holzpfahlgründungen,
  • Beeinträchtigung anderer Grundwasserbenutzungen, insbesondere öffentlicher Trinkwasserversorgungsanlagen,
  • Mobilisierung von wassergefährdenden Stoffen aus Altlasten mit der Folge der Beeinträchtigung der öffentlichen Wasserversorgung oder schädlichen Beeinträchtigung der Gewässer durch Schadstoffverlagerung oder von Abwasseranlagen durch Einleitung belasteten Grundwassers,
  • Salzwasseraufstieg durch zu große Grundwasserentnahme an entsprechend geologisch geprägten Standorten,
  • Eisenfällung und damit verbundene Trübung, Verfärbung, Verschlammung und Sauerstoffzehrung in Oberflächengewässern, in die das entnommene Grundwasser eingeleitet wird,
  • Überflutung durch Einleitung großer Grundwassermengen in Vorfluter mit zu geringer hydraulischer Leistungsfähigkeit,
  • Beeinträchtigung der Schifffahrt durch Querströmungen infolge Einleitung großer Grundwassermengen in oberirdische Gewässer,
  • Beeinträchtigung der Uferbefestigung durch ungünstige Gestaltung des Einleitbauwerkes,
  • Beeinträchtigung des Naturhaushaltes, insbesondere von Feuchtgebieten sowie Schädigung der Vegetation,
  • schädliche Bodenveränderungen, insbesondere bei Mooren und grundwasserbeeinflussten Böden.

Bei allen Bauvorhaben in unserer Region müssen besondere Vorschriften zum Schutz des Bodens und des Grundwassers unberührt bleiben!


Unser Wasser

Wasser- und Abwasserzweckverbandes „Scharmützelsee-Storkow/Mark)“

Klimaschutz

Die Verwaltungsvorschrift über Grundwasserabsenkungen bei Baumaßnahmen (VVGWA)

Die bei der Errichtung von Bauwerken durchgeführten Maßnahmen zur Freihaltung des Baugrundes von Grundwasser sind aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt oft wasserwirtschaftlich bedeutsam und bedürfen regelmäßig der wasserrechtlichen Erlaubnis durch die zuständige Wasserbehörde. Im wasserrechtlichen Verfahren sind aber nicht nur die wasserhaushaltlichen Auswirkungen, sondern auch die Auswirkungen der Grundwasserabsenkung z. B. auf die Standsicherheit benachbarter Gebäude und den Naturhaushalt zu berücksichtigen. Da diese Auswirkungen gravierend sein können, erfordert die Durchführung der wasserrechtlichen Verfahren ein hohes Maß an fachlichen und verwaltungsrechtlichen Kenntnissen.

https://bravors.brandenburg.de/de/verwaltungsvorschriften-216684

Landesniedrigwasserkonzept Brandenburg

Außerdem wird eine „Grundlagenermittlung für den systematischen und strukturierten Umgang von Bund und Ländern mit Niedrigwasser
und Trockenheit“ als notwendig angesehen (gefordert im UBA 2015)